Als mich mein chinesischer Kollege Nu Li letzte Woche fragte, ob ich am Wochenende mit nach Hangzhou kommen möchte, habe ich nicht lange gezögert, und gleich zugesagt. Eine gute Entscheidung, denn diese Stadt, die mit 6 Mio. Einwohner größer als Suzhou ist und etwa 200 km weiter im Landesinneren liegt, hat wirklich einiges zu bieten.
Die Busfahrt nach Hangzhou stellte sich als sehr anstrengend heraus, da ausversehen der falsche Bus gebucht worden war, welcher für die Strecke 4 statt der versprochenen 2 Stunden brauchte. Dafür konnte ich auch mal die ländlichere Gegend betrachten, mit den vielen Textil- und Plastikunternehmen, die für chinesische Verhältnisse klein sind, aber doch schon ein beeindruckendes Betriebsgelände besitzen.

In Hangzhou angekommen war ich wieder einmal überwältigt von der beeindruckenden Skyline, welche auch von den olympischen Spielen profitiert hat. Doch direkt in der Stadt befindet sich ein relativ großer See und dahinter sieht man direkt Berge. Hier verbrachten wir die meiste Zeit, so machten wir uns am Samstag Mittag daran, den See zu umrunden, eine Strecke von ungefähr 10 km, die wir aber für eine halbe Stunde gemütlich in einem Boot hinter uns brachten.

Abends gab es dann koreanisches Essen, welches direkt in einem in den Tisch eingebetteten Grill zubereitet wird.
Nach einer Nacht in einem ziemlich harten Hotelbett ging es am nächsten Morgen für eine Wanderung in die Berge. Alle Wege sind gut befestigt und statt Serpentinen sind hunderte von Treppenstufen zu bewältigen, bis man den Gipfel erreicht. Da war ich bei 30 °C ganz schön am Schwitzen. Doch der Ausblick vom Gipfel ist wunderschön, auch wenn man nicht weit blicken kann.

Wir kamen an unzähligen Teefeldern vorbei. Hier wurde der Tee für den Kaiser für China produziert, dementsprechend stolz sind die Bewohner des kleinen Dorfes in dem wir zu Mittag aßen. Dies war eine ganz besondere Erfahrung für mich, denn ohne chinesische Begleitung wird man kaum so tief in das Hinterland vordringen können und grünen Tee direkt vom Erzeuger kaufen können. Bei eben diesem gab es auch Mittagessen, wobei ich das Huhn und den Fisch, den wir gegessen haben, noch leben sehen konnte, bzw. die Schlachtung miterlebt habe. Eigentlich dachte ich, dass mir das mehr auf den Magen schlagen würde, doch es schmeckte trotzdem ganz gut.

Bevor wir uns im richtigen Bus, der auch wirklich nur 2 Stunden für die Strecke benötigte, wieder auf den Heimweg machten, haben wir noch eine sehr berühmte buddhistische Tempelanlage besichtigt und ich wurde ein wenig über den Buddhismus aufgeklärt, von dem ich nur wusste, dass es viele Götter mit speziellen Aufgaben gibt.

Alles in Allem war es ein sehr schöner und Ausflug, durch den ich viele wertvolle Erfahrunge gemacht habe. Ich denke auch, dass so etwas aber nur möglich ist, wenn man mit Chinesen reist, und so werde ich das nächste Angebot sofort wieder dankend annehmen.
Verfasst von mfgpcm