Der erste Arbeitstag

03.06.2009

Überraschend gut gelingt mir das Aufstehen um 8:00 Uhr. Eigentlich ist jetzt 2:00 Uhr nachts, aber das merke ich gar nicht. Nach einem pappigen Marmeladentoast zum Frühstück gehts los zum Bosch. Bei jeder Kreuzungsüberquerung muss man hier besonders um seine Haut fürchten. Es gibt zwar Ampeln die sogar die verbleibende Zeit bis zum nächsten Wechsel anzeigen, aber ob angehalten wird ist eine andere Frage.

Ich erreiche das Werk aber wohlbehalten und lerne meinen Betreuer kennen, den ich gleich duzen darf. Er ist schon zweieinhalb Jahre hier und kann mir einiges über China allgemein und über Bosch als Zulieferer erzählen. Mittags gehen wir mit zwei weiteren, deutsch-sprechenden Kollegen essen. Erstaunt stelle ich fest, dass die Kollegen, die schon länger als ein Jahr in China sind, lieber wieder “europäisches” Essen essen. Die Lust, neue Sachen auszuprobieren legt sich wohl irgendwann.

Meine Aufgabe wird die Entwicklung von Software für ein Park-Pilot-Steuergerät sein. Genauere Details stehen bislang allerdings noch nicht so genau fest.

Abends, nachdem ich einen Bosch-Account für China, ein polizeiliches Anmeldungsschreiben und einen freigeschalteten Werksausweis habe, fragt mich die chinesische Praktikantin, die all diese Sache ermöglicht hat, ob ich mit Essen gehen will. Diesmal geht es in die Kantine und ich koste zum ersten mal richtig chinesisches Kantinenessen. Meine Art, die Stäbchen zu halten wird von den Chinesen belächelt, also bemühe ich mich, sie “richtig” zu halten und siehe da, ich besitze tatsächlich feinmotorische Fähigkeiten. Das Essen in der Kantine kostet übrigens nichts und da die Produktion direkt hinter den Büros beginnt, gibt es auch mitternachts noch Essen für die Spätschicht. Zu trinken gibt es allerdings nichts, was ich sehr bedauere, denn ich habe natürlich keine Tasse mitgenommen. Eine Tasse stellt die einzige Möglichkeit dar, Wasser aus dem Wasserspender zu sich zu nehmen ohne aus dem Wasserhahn trinken zu müssen, was ich bislang peinlichst vermieden habe.

Nach der Arbeit mache ich mich auf, die Filiale der Bank of China zu finden, an der wir im Taxi auf dem Weg zum Mittagessen vorbeigefahren sind. Dies gelingt mir aber leider nicht, dafür finde ich eine andere Bank. Im Reiseführer stand, Geld abheben sei mit einer VISA-Karte kein Problem. Tja, für mich leider schon. Nach ein paar Minuten gelingt es mir, wenigstens einen Teil der Benutzeroberfläche auf Englisch gestellt zu haben. Nun folgt eine PIN-Eingabe. Seit wann hat meine VISA-Karte denn ein PIN? Ich teste den von der EC-Karte und komme tatsächlich weiter. Anschließend stehen mir vier verschiedene Accounts zur Verfügung, der default-account, der debit-account und zwei weitere. Ich wähle den default-account, gebe einen Betrag ein… Abbruch mit einem Fehler, der nur auf chinesisch da steht. Auch mit einem anderen Account und sogar in einer anderen Bank habe ich es nicht geschafft, Geld abzuheben. Na ja, dann werde ich morgen mal meinen Betreuer fragen.


Die Fahrt vom Flughafen zum Appartement

03.06.2009

Die Fahrt vom Flughafen zum Appartement war trotz meiner zunehmenden Müdigkeit ein großes Erlebnis.

  • Rechtsfahrgebot
  • TÜV
  • Telefonieren am Steuer verboten

scheint für China alles nicht zu gelten. Ich sah abenteuerliche Lastwagen vorbeifahren, bei denen der Tank mittels Spanngurt am Fahrzeug gehalten wurde. Tausende blauer Lastwagen, die sich nur durch die unterschiedlichen Beulen und Dellen unterschieden und überall Autos mit getönen Seitenfenstern auch vorne! Zudem haben hier alle Motorrad- und E-Bike-Fahrer, von denen es hier sehr viele gibt , keinerlei Schutzanzug oder gar einen Helm auf.

Es zogen gewaltige Wohnkomplexe mit bestimmt mehr als 20 Stockwerken vorbei. Ich sollte ja noch nicht ahnen, dass ich nun in so einem wohne. Außerdem sah ich überall Baustellen mit den in China üblichen Gerüsten aus Bambusstangen. Alles im Allem hatte ich mir China irgendwie anders vorgestellt.

Leider habe ich dabei keine Fotos gemacht, doch es werden sicher noch ein paar aufschlussreiche Bilder geschossen.


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.