Sonnenfinsternis

22.07.2009

Eine totale Sonnenfinsternis zu erleben und dann auch noch die längste des Jahrhunderts, ist immer ein besonderes Ereignis. Welch ein glücklicher Zufall, dass ich zur richtigen Zeit hier in Suzhou bin und dieses Ereignis miterleben konnte. Doch leider machte das Wetter dem Ganzen einen gehörigen Strich durch die Rechnung.

Ich erinnere mich noch an die Sonnenfinsternis im Sommer 1999, die auch in Stuttgart zu sehen war. Auch damals war der Himmel relativ bewölkt, doch kurzzeitig war die Sonne zu sehen. Die Wettervorhersage für heute war allerdings schon alles andere als motivierend und leider sollte sie Recht behalten. Der Himmel ist den ganzen Tag mit Wolken bedeckt; man sah heute Vormittag keine 100 m weit und es regnete was das Zeug hielt.

Von der Sonnenfinsternis war deshalb wenig zu sehen. Es wurde nur pünktlich um 09:35 Uhr für 5 min. dunkel. Da die Straßenbeleuchtung aber angeschaltet worden ist, womit ich nicht gerechnet habe, glich diese Dunkelheit einer ganz normalen Nacht.

Suzhou 2009/07/22 09:41:33, Ende der Sonnenfinsternis

Gestern waren Sebastian und ich extra noch im Auchan, um uns diese Sonnenbrillen zu besorgen, mit denen man gefahrlos die Sonne betrachten kann, denn gestern sah das Wetter auch noch vielversprechender aus. Nachdem wir drei mal den ganzen Auchen rauf und runter durchsucht hatten, kam mir die Idee, beim Infoschalter trotz deren mangelnder Englischkenntnisse nachzufragen. Der dortige Mitarbeiter gab mir auch gleich Stift und Papier und so malte ich munter eine kleine Sonne und eine Brille, um danach die Sonne schwarz auszumalen. Verstanden hatte er das schnell und schrieb daneben “sale out”. Wie sich gezeigt hat, war dies nicht weiter schlimm und trotzdem wäre dieser Stress vermeidbar gewesen.


Pool Party

19.07.2009

Gestern Abend fand eine Pool-Party auf dem Dach des Sofitel Hotels statt. Ein netter spanischer Expat, welcher diese Party für die spanische community organisierte, lud mich dazu ein. Da möglichst viele Teilnehmer erwünscht waren, habe ich die Einladung an alle Interns weitergeleitet und da das Angebot für 180 RMB, also circa 18 Euro, all-you-can-eat BBQ, free-flow beer und ein Pool zu verlockend war, standen gestern dann 16 deutsche Interns auf der Matte.

Pool Party!

Es wurde ein schöner Abend trotz der langen Wartezeiten vor dem Grill und dem schon realtiv frühen Ende. Deswegen war allerdings niemand traurig, denn bereits am Freitag abend wurden die Kneipen und Clubs Suzhous rege von uns besucht.

BBQ auf dem Dach des Sofitels

Am Samstag mittag war ich mit Sebastian ein wenig einkaufen, denn er brauchte Fussballschuhe, doch leider fanden wir weder in der Einkaufsstraße noch in der großen shopping mall am Times Square Schuhe, die größer als Schuhgröße 44 waren.

Der Times Square ist eine Art shopping center, zum Teil eine rießige shopping mall, die bis heute noch nicht ganz fertig gestellt ist, zum Teil finden sich dort kleine Geschäfte im Freien, aber überdacht vom größten LED Screen der Welt, den ich inzwischen auch in Aktion gesehen habe.

der wirklich beeindruckende LED Screen am Times Square

Alles in allem tut ein Wochenende, an dem man nicht tausende Treppen läuft oder durch Shanghai hetzt, aber auch sehr gut.


Die gelben Berge – 黄山

12.07.2009

Wie im letzten Artikel bereits angekündigt, war ich dieses Wochenende zusammen mit 9 anderen Praktikanten in den gelben Bergen, einem Gebirge, welches in die UNESCO Weltkulturerbe-Liste aufgenommen wurde. Um dies gleich vorweg zu nehmen, die Berge sind keineswegs gelb. Der Name rührt von dem chinesischen Kaiser Huang Di her, dessen Name übersetzt “der gelbe Kaiser” bedeutet.

Los ging es am Freitag abend in einem kleinen Reisebus, den wir von einem Reisebüro gemietet hatten. Mit ein wenig Bier war die 5-stündige Fahrt ganz gut zu ertragen und das Hotel in Huang Shan, der Stadt am Fuße des Berges, konnte gegen Mitternacht bezogen werden.

Nach einem chinesischen Frühstück mit Reissuppe und weiteren “schmackhaften” Spezialitäten ging es mit einem Bus zum Eingang des Nationalparks und mit dem nächsten Bus zur Gondelstation, um dann anschließend nach circa 45 min. Wartezeit und gut 300 RMB ärmer auf den Berg zu gelangen.

Gondelfahrt auf die gelben Berge

Oben angekommen war die Aussicht leider nicht so berauschend, da wir uns direkt in den Wolken befanden. Doch machten dies die Berge, die vom Alter her zwischen Schwarzwald und den Alpen liegen, allein durch ihre Formen wieder wett. Anders als man dies vielleicht von Wanderungen in Europa gewohnt ist, sind alle Wege auf den Bergen befestigt und jede Höhenänderung wird mittels Treppenstufen bewältigt. Ich weiß nicht wie viele Treppen ich an diesem Wochenende hoch und runter gelaufen bin, doch meine Waden sagen mir, es waren einige.

Wir drängten uns den restlichen Tag mit vielen Chinesen auf den Wegen entlang und betrachteten Felsen, deren Form an Tiere, Menschen oder Finger erinnern sollen sowie bis zu 1200 Jahre alte Bäume. Besonders bei den etwas größeren Plattformen, von denen man die berühmtesten Felsen oder Bäume sehen konnte, war oft kaum mehr ein Durchkommen möglich.

Stau auf einem einem Teilstück, von dem man den höchsten Gipfel sehen kann

An den Ketten, die die Plattform begrenzen, sind tausende Schlösser befestigt. Uns wurde erklärt, dass sich Pärchen diese Schlösser kaufen, sie zusammen an die Kette schließen und den Schlüssel in die Schlucht werfen. Ein Schloss habe ich aber gefunden, an dem der Schlüssel mit angeschlossen war. Was das wohl bedeuten mag?

Schlösser, Unmengen an Schlössern

Nachdem das Gepäck in dem Hotel auf dem Berg verstaut war, ging es dann noch in das große Tal. Der Weg dorthin besteht erst seit ein paar Jahren und ist teilweise nur durch einige Betonpfosten in der senkrechten Wand verankert. Unter dem Weg geht es zwei bis dreihundert Meter tief hinab und die Aussicht in das Tal ist grandios.

Ich auf einer Brücke, unter mir: 200 m nichts, dann Fels

die grandiose Aussicht

Nach der Rückkehr ins Hotel über wieder einige hundert Treppenstufen gab es noch ein chinesisches Abendessen, das allerdings nicht so besonders schmackhaft war. Da wir alle ganz schön kaputt waren, ging es auch relativ früh ins Bett, um am nächsten Morgen um 4:15 Uhr aufzustehen und den Sonnenaufgang zu bewundern. Das hat sich allerdings nicht wirklich gelohnt. Einen freien Platz mit etwas Aussicht zwischen den vielen Leuten zu finden stellte sich als nicht so leicht heraus und die Sonne tauchte auch nur zwei Mal sehr kurz zwischen den Wolken auf, so dass mein einzig gelungenes Bild erst lang nach Sonnenaufgang entstanden ist.

Sonnenaufgang hinter den Wolken

Nach dem nächsten chinesischen Frühstück, welches auf dem Berg noch eine Stufe schlimmer als im Hotel am Vortag war, machten wir uns auch schon wieder an den Abstieg, diesmal nicht per Seilbahn sondern zu Fuß. Dabei begegneten uns immer wieder Arbeiter, die schätzungsweise 50 kg und mehr an Essen, Getränke, Baumaterial oder auch Gasflaschen an einer Bambusstange auf der Schultern die Berge hinauf trugen. Unser Tourguide erklärte uns, dass sie für jedes Kilogramm 1 RMB bekommen; doch da der Weg direkt unter der Seilbahn entlang läuft, kann ich diese Quälerei einfach nicht gutheißen.

chinesische Arbeiter schleppen unglaubliche Gewichte 6.5 km lang auf den Berg

Unten angekommen gab es ein chinesisches Mittagessen und wir machten uns auf, die alte Straße in Huang Shan zu besichtigen. Leider fing es aber zu regnen an und die Straße bot keine wirklich besonderen Sehenswürdigkeiten, so dass wir uns schon bald auf den Heimweg machten. An einer Raststätte gab es dann FastFood von KFC, was nach dem ganzen chinesischen Essen durchaus verzeihlich ist, wie ich meine.

Heute ist Halbzeit

Dies ist mir vorher aufgefallen! Die Hälfte aller Tage meines Praktikumaufenthalts in China ist nun vorbei und ich muss sagen, dass die Zeit unglaublich schnell vergangen ist. Manchmal denke ich, dass es noch viel zu sehen gäbe, aber andererseits freue ich mich schon wieder sehr auf Deutschland, Brezeln, Mineralwasser und natürlich auf meine Freundin! Bleibt zu hoffen, dass die zweite Hälfte genauso ereignisreich wird wie die Erste, wovon ich aber überzeugt bin. Dann kann ich schon jetzt sagen, dass mein Praktikum in China eine tolle Erfahrung war und ist.


kurzer Zwischenbericht

09.07.2009

Schon mehr als eine Woche ist seit meinem letzten Post vergangen und so wird es meiner Meinung nach mal wieder Zeit für einen kleinen Zwischenbericht.

Zunächst ist wohl zu klären, warum ich nicht mehr so viel blogge wie in den ersten 2 Wochen. Nun, das mag daran liegen, dass ich mich nun ziemlich gut eingelebt habe und fast jeder Abend verplant ist. Andererseits gewöhnt man sich relativ schnell an die vielen kleinen Dinge, die den Unterschied zwischen Deutschland und China ausmachen. So vermisse ich Mineralwasser mit Kohlensäure oder Brezeln doch sehr. Beides ist hier zwar schon erhältlich, doch ziemlich teuer und auch nicht im nächsten Supermarkt, dem Auchan, der Supermarkt mit den 110 Kassen, zu bekommen.

Letztes Wochenende war ich mit meinem Mitbewohner Sebastian und 10 anderen Interns wieder in Shanghai zum Bogenschiessen; übersetzt auf Englisch übrigens archery. Und auch sonst hatten wir eine gute Zeit im Nachtleben von Suzhou und Shanghai und ich habe meinen ersten Besuch in einer chinesischen Disco hinter mir.

Ich hatte bereits vor zwei Wochen zwei Anzüge und zwei Hemden bei einem Schneider bestellt, die ich am Montag abholen konnte. Umgerechnet 140 € für maßgeschneiderte Kleidung ist wohl ein unschlagbares Angebot. Der Anzug passt wirklich sehr gut und ich hatte wohl noch nie eine so gut sitzende Hose. Auch die Qualität scheint mir sehr ordentlich, wobei ich das natürlich nicht im Detail beurteilen kann.

Mittags gehe ich nun nicht mehr so oft in die Kantine, sondern mit meinem Betreuer und anderen Expats, also Bosch Mitarbeitern, die 3 Jahre im Ausland arbeiten, in westliche Restaurants. Das ist zwar ziemlich teuer, doch ich erfahre so einiges über die internen Abläufe in der Firma und auch so manch anderes. Außerdem hatte ich, als ich mit meinen chinesischen Kollegen essen ging, das Problem, dass sie sich zwar bemüht haben englisch zu sprechen, doch sehr oft ins Chinesische wechselten, so dass ich nicht am Gespräch teilnehmen konnte. Das soll allerdings kein Vorwurf sein; ich denke einem Chinesen würde es in Deutschland oft auch so ergehen.

Dank Sebastian gleiche ich das westliche Essen wieder aus, denn seit letzter Woche gehe ich zwei mal pro Woche ins Fitnessstudio und bin noch ziemlich motiviert.

Mit meinem Projekt bin ich ganz gut vorangekommen, auch wenn es zwischenzeitlich wenig zu tun gab, so dass ich zwar die Software auf einem aktuellen Stand hatte, die Hardware aber nicht verfügbar war. Dafür ist mein Projektbericht in dieser Zeit umso länger geworden.

Inspiriert von Alexanders Blog will ich auch mal ein paar chinesische Autos beschreiben. Alle Taxis sind VW Santanas oder Passats. Hier hat VW oder dessen Joint Venture Partner sicher ein gutes Geschäft gemacht. Bei einem Taxi habe ich einen Kilometerstand von über 600.000 km abgelesen, das spricht natürlich für die Qualität. Neben den vielen Taxis sieht man viele GM bzw. Buicks oder Chevrolet, ferner französische Autos, z. Bsp. Peugeot und  Nissan sowie Hyundai und Kia Motors. Deren Modelle haben häufig andere Namen oder sind mir gänzlich unbekannt. Ab und zu sieht man auch mal eine Mercedes S-Klasse, einen Porsche Cayenne oder einen Audi, allerdings längst nicht so häufig wie in Stuttgart. Dennoch ist China wohl der größte Markt für die Mercedes S-Klasse. Hinzu kommen immer mehr einheimische Marken wie BYD, Build your dream, Great Wall oder Cherry.

BYD

Dank der anderen Praktikanten werde ich vom Freitag abend bis zum Sonntag auf einen Trip in die gelben Berge mitgehen, worauf ich mich schon sehr freue. Warum dies so ist beantwortet folgendes Bild ganz gut, denke ich:

Cayenne

Haus umgekippt in Shanghai

29.06.2009

Als kleiner Nachtrag noch eine Schlagzeile, die ich durch Zufall aufgeschnappt habe:
Am Samstag ist von mir unbemerkt ein 13-stöckiger Rohbau in Shanghai umgefallen. Laut offiziellen Angaben kam ein chinesischer Bauarbeiter ums Leben. Weitere Infos dazu unter: www.welt.de/vermischtes/article4011743/13-stoeckiges-Hochhaus-in-Shanghai-umgekippt.html. Ich wundere mich ernsthaft wie so etwas passieren kann. Das Gebäude selbst ist sogar noch halbwegs in Takt. Bleibt zu hoffen, dass der Wohnturm, in dem ich wohne, auf einem besseren Fundament steht.


上海 – Shanghai

28.06.2009

Vor zwei Tagen war es soweit. Mein Mitbewohner und ich machten uns auf nach Shanghai, der 15 Mio. Einwohner Metropole, die ehemals nur als Hafen für Suzhou diente. Doch diese Zeiten sind längst vergangen. Shanghai ist eine boomende Stadt, in der 2010 die Expo stattfinden wird, was man an zahlreichen Baustellen auch deutlich bemerkt.

Doch von Anfang an: Nach Shanghai brachte uns ein moderner Zug, der sogar dem deutschen ICE mit 350 km/h Höchstgeschwindigkeit (die allerdings zwischen Suzhou und Shanghai nicht gefahren werden) noch überlegen ist. Die erste Klasse kostet umgerechnet grob 3 € und bietet einen Komfort, den man sich während der halbstündigen Fahrt auch gerne gönnt. Die Bahnhöfe in China gleichen dabei allerdings mehr internationalen Flughäfen, die riesige Menschenmassen bewältigen können. Man kann nicht direkt am Bahnsteig warten, sondern wird von einem Warteraum dort hin gewiesen.

Der Zug

In Shanghai angekommen galt es, sich mit der Metro vertraut zu machen und die Jugendherberge zu finden. Dank einer guten Beschreibung im Internet war dies auch kein Problem. Die Jugendherberge bietet für 16 € pro Nacht ein eigenes Doppelzimmer und ist sehr zu empfehlen (www.hostelshanghai.cn).

Von dort aus ging es weiter ins Aquarium mit dem längsten Tunnel-im-Aquarium der Welt. Eigentlich wollte ich die Ski Halle in Shanghai ausprobieren, doch bin ich mit meinem Vorhaben unter den anderen Interns unverständlicherweise bisher auf wenig Resonanz gestoßen. Na ja, vielleicht klappt das doch noch. Das Aquarium hat außer dem Tunnel, der wirklich sehr beeindruckend ist, noch eine große Anzahl kleinerer Becken zu bieten.

längster durchsichtiger Unterwassertunnel im Shanghai Aquarium

Nach dem Aquarium führte unser Weg durch den Tourist Tunnel unter dem Fluss durch zum sogenannten Bund. Durch den Tunnel wird man in kleinen Gondeln gebracht und die ganze Fahrt erinnert eher an eine Geisterbahnfahrt auf dem Volksfest. Überall Lichter, Beamer, Leuchtketten und dazu eine allzu komische Musik. Doch genau auf dieses Leuchten und den Kitsch scheinen Chinesen total abzufahren.

Auf der anderen Seite angekommen, war die Enttäuschung über den Bund groß. Laut Reiseführer sollte dieser einen tollen Ausblick auf die Skyline in Pudong bieten. Der Bund ist zur Zeit jedoch eine einzige große Baustelle und soll zur Expo 2010 fertig gestellt werden. Trotzdem befinden sich auf dieser Seite noch einige beeindruckende Gebäude aus der Kolonialzeit, in denen heute teure Mode Labels ihre Filialen haben.

Baustelle Bund mit Blick auf Pudong

Am Abend ging es dann nach Pudong in den Jin Mao Tower, das zweit höchste Gebäude Shanghais und den siebt höchsten Wolkenkratzer der Welt. An dieser Stelle seien mal ein paar Worte zu dem Superlativissimus angebracht. Überall in China findet man das Größte, Längste, Schnellste oder Höchste. Interessant ist jedoch, dass bei genauem Hinschauen immer Einschränkungen gemacht werden: Der längste Tunnel in einem Aquarium ist nur der längste, weil er durch 6 verschiedene Becken geht. Der größte LED-Screen befindet sich hier in Suzhou, ist aber nicht wirklich der größte, nur der längste. In der Liste der höchsten Bauwerke ohne Einschränkungen befinden sich sehr viele abgespannte Sendemasten. So war ein Sendemast in Polen bis zu seinem Einsturz im Jahr 1991 das höchste Bauwerk der Welt und nicht etwa ein Wolkenkratzer. Aus diesen Gründen bezeichnete ein anderer Praktikant diesen Größenwahn auch als Paralymics.

Im Jin Mao Tower jedenfalls sind wir aus den touristischen Pfaden ausgebrochen und nicht in den 88. Stock zur Aussichtsplattform gefahren, sondern in den 87. Stock in die Bar “Clowd 9″ oberhalb dem Hyatt Hotel. Hier kostet ein Cocktail um die 10 €, ein für den Ausblick ganz akzeptabler Preis. Die Bar ist übrigens die höchste der Welt, zumindest über Grund.

Blick auf den Fehrsehturm vom Cloud 9

Anschließend wagten wir noch einen Blick in die mit 135 m höchste Hotellobby der Welt und begaben uns auf die Nanjing Lu, die Haupteinkaufsstraße in Shanghai. Dort und auch an allen anderen öffentlichen Plätzen fielen mir die unglaublichen Menschenmassen besonders auf. Menschenströme, wie ich sie bisher nur nach Fussballspielen oder Messen kannte, wenn sich die Leute in die Züge oder zu den Parkplätzen begeben, sind in Shanghai alltäglich. Das macht einen Besuch der Stadt allerdings auch ziemlich anstrengend.

Nanjing Lu am Samstag Abend

Am nächste Tag begaben wir uns zu einem “Gifts and Fashion Market”, den man zurecht auch Fake-Market nennt. Hier gibt es sämtliche Produkte wie Uhren, Taschen, Hemden, Hosen, Schuhe und elektronische Geräte mit den entsprechenden Markennamen zu sehr günstigen Preisen, jedenfalls mit ein wenig Verhandlungsgeschick. Natürlich alles Originale :)

Bevor es wieder zurück nach Suzhou gehen sollte, haben wir noch das chinesische Viertel rund um den Yu-Garten besucht, der aber leider schon geschlossen hatte. Auch hier drängten sich unglaublich viele Menschen pro m², doch das Viertel bietet einen krassen Gegensatz zu den Wolkenkratzern gegenüber des Bundes in Pudong.

Menschenmassen im chinesischen Viertel um das Teehaus

Alles in allem ein schönes aber auch anstrengendes Wochende in einer Stadt mit Menschenmassen, viel Verkehr und vor allem Baustellen, so dass ich dort momentan nicht leben will.


Von Mitbewohnern und Gras-Schlamm-Pferden

24.06.2009

Seit Dienstag habe ich nun einen staatlich geprüften und nicht an der Schweinegrippe erkrankten Mitbewohner. Er wurde am Flughafen von den Kontrolleuren herausgezogen, da seine Temperatur nur ein klein wenig zu hoch war und durfte seinen ersten Tag im Krankenhaus verbringen. Eine Erfahrung, auf die er bestimmt gerne verzichtet hätte.

Doch was hat es mit diesen “Gras-Schlamm-Pferden” auf sich? Nun, erfreulicherweise ist mein Blog nun auch aus China erreichbar, wenn auch nicht editierbar. Die chinesische Regierung plant aber nun, dass innerhalb von China nur noch PCs mit einer vorinstallierten Zensur-Software erlaubt sind. Die Software soll pornographische Inhalte sowie Schimpfwörter filtern.

In China regt sich jedoch Widerstand; so findet man im Internet immer häufiger interessante Tiere. Die Namen der Tiere werden genau so oder sehr ähnlich ausgesprochen wie die gefilterten Schipfwörter. So wird Gras-Schlamm-Pferde ausgesprochen wie “Cao Ni Ma”. Dessen Bedeutung findet man http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,631754,00.html, wobei diese Seite aus China sogar erreichbar ist. Witziger finde ich den französisch-kroatischen Tintenfisch (“Fa Ke You” ausgesprochen).


Tiger Hügel und der Garten des bescheidenen Beamten

21.06.2009

Trotz einem sehr langen und feucht-fröhlichen Freitag abend, an dem ich die Kneipenszene in Suzhou näher kennen gelernt habe, hatte ich mich samstags auf den Weg gemacht, die beiden wohl berühmtesten Sehenswürdigkeiten in Suzhou endlich zu besichtigen.

Leider war das Wetter nicht ganz auf meiner Seite und kaum war ich aus dem Taxi ausgestiegen, stand ich in einem Wolkenbruch. Davon ließ ich mich aber nicht beeindrucken, schließlich regnete es nach ein paar Minuten auch nur noch leicht. Der Regen brachte leider auch nicht die ersehnte Abkühlung. Die hohe Luftfeuchtigkeit macht die Hitze nur unerträglicher.

Der Tiger Hügel ist ein kleiner Hügel, wohl der einzige weit und breit. Nach einer Überlieferung soll dort der Herrscher von Wu im Jahr 496 v. Chr. mit 3000 Schwertern begraben worden sein. Das Areal umfasst mehrere Pavillons, Hallen und Tore sowie eine Pagode. Diese ist auf dem sandigen Boden auf einer Seite eingesunken, weshalb man sie auch nicht betreten darf.

schiefe Pagode auf dem Tiger Hügel

Weiter gings danach zum 拙政園, der Garten des bescheidenen Beamten, den ich keineswegs bescheiden finde. Der Garten ist sehr schön angelegt, mit vielen Brücken, Seen und Pavillons. Zum Glück sind sogar viele Wege überdacht, so dass der Regen nicht mal störte. In einem der Pavillons nahm ich mir dann die Zeit, endlich mal ein paar Postkarten zu schreiben und heute habe ich sie schon zur Post gebracht.

Der Garten des bescheidenen Beamten


Ein Besuch im 平江区 (Ping Jiang) Viertel

18.06.2009

Gestern habe  ich mit ein paar chinesischen Kollegen, darunter auch diejenigen mit denen ich in Hangzhou war, nach der Arbeit das Ping Jinag Viertel in Suzhou besucht. Dies ist eines der ältesten Viertel der Stadt und es unterscheidet sich sehr deutlich von dem SIP.

Eigne Gässchen in Ping Jiang

Leider gab es gleich beim Eingang frischen Stinke-Tofu, doch habe ich es trotzdem weiter in das Viertel hinein geschafft. Dort kann man den Leuten zu meinem Erstaunen ohne Probleme in das Wohnzimmer oder in die Küche schauen. Es gibt nur eingeschossige Häuser und viele enge Gässchen und Kanäle. Der Name “Venedig des Ostens” kommt schließlich nicht von ungefähr. Abends sieht man Frauen auf den Straßen, die sich zusammengefunden haben um zu tanzen.

frisch gebrühter Früchtetee

Das Besondere jedoch sind die vielen kleinen Coffee und Tea-Shops. Dort bekommt man zu dem bestellten Tee oder Kaffee auch gleich die Möglichkeit, sich eines aus vielen chinesischen oder sogar englischen Bücher zum Lesen zu nehmen. Insgesamt eine sehr schöne, künstlerisch angehauchte Atmosphäre. Nur sollte man es vermeiden, Kaffee zu bestellen, der durchaus westliche Preise hat und einfach nicht mit dem servierten Tee mithalten kann. Diesen bekommt man in einer schönen Teekanne zusammen mit winzigen Tässchen und einer Thermoskanne heißem Wasser zum Nachschenken serviert.


Wochenendtrip nach Hangzhou

15.06.2009

Als mich mein chinesischer Kollege Nu Li letzte Woche fragte, ob ich am Wochenende mit nach Hangzhou kommen möchte, habe ich nicht lange gezögert, und gleich zugesagt. Eine gute Entscheidung, denn diese Stadt, die mit 6 Mio. Einwohner größer als Suzhou ist und etwa 200 km weiter im Landesinneren liegt, hat wirklich einiges zu bieten.

Die Busfahrt nach Hangzhou stellte sich als sehr anstrengend heraus, da ausversehen der falsche Bus gebucht worden war, welcher für die Strecke 4 statt der versprochenen 2 Stunden brauchte. Dafür konnte ich auch mal die ländlichere Gegend betrachten, mit den vielen Textil- und Plastikunternehmen, die für chinesische Verhältnisse klein sind, aber doch schon ein beeindruckendes Betriebsgelände besitzen.

Blick in der Berge am Ufer des Sees in Hangzhou

In Hangzhou angekommen war ich wieder einmal überwältigt von der beeindruckenden Skyline, welche auch von den olympischen Spielen profitiert hat. Doch direkt in der Stadt befindet sich ein relativ großer See und dahinter sieht man direkt Berge. Hier verbrachten wir die meiste Zeit, so machten wir uns am Samstag Mittag daran, den See zu umrunden, eine Strecke von ungefähr 10 km, die wir aber für eine halbe Stunde gemütlich in einem Boot hinter uns brachten.

Abends am See, Blick auf die Skyline

Abends gab es dann koreanisches Essen, welches direkt in einem in den Tisch eingebetteten Grill zubereitet wird.

Nach einer Nacht in einem ziemlich harten Hotelbett ging es am nächsten Morgen für eine Wanderung in die Berge. Alle Wege sind gut befestigt und statt Serpentinen sind hunderte von Treppenstufen zu bewältigen, bis man den Gipfel erreicht. Da war ich bei 30 °C ganz schön am Schwitzen. Doch der Ausblick vom Gipfel ist wunderschön, auch wenn man nicht weit blicken kann.

Bergweg mit unzähligen Treppenstufen

Wir kamen an unzähligen Teefeldern vorbei. Hier wurde der Tee für den Kaiser für China produziert, dementsprechend stolz sind die Bewohner des kleinen Dorfes in dem wir zu Mittag aßen. Dies war eine ganz besondere Erfahrung für mich, denn ohne chinesische Begleitung wird man kaum so tief in das Hinterland vordringen können und grünen Tee direkt vom Erzeuger kaufen können. Bei eben diesem gab es auch Mittagessen, wobei ich das Huhn und den Fisch, den wir gegessen haben, noch leben sehen konnte, bzw. die Schlachtung miterlebt habe. Eigentlich dachte ich, dass mir das mehr auf den Magen schlagen würde, doch es schmeckte trotzdem ganz gut.

Teefelder

Bevor wir uns im richtigen Bus, der auch wirklich nur 2 Stunden für die Strecke benötigte, wieder auf den Heimweg machten, haben wir noch eine sehr berühmte buddhistische Tempelanlage besichtigt und ich wurde ein wenig über den Buddhismus aufgeklärt, von dem ich nur wusste, dass es viele Götter mit speziellen Aufgaben gibt.

Eine Buddha-Statue, den Namen von diesem habe ich leider vergessen

Alles in Allem war es ein sehr schöner und Ausflug, durch den ich viele wertvolle Erfahrunge gemacht habe. Ich denke auch, dass so etwas aber nur möglich ist, wenn man mit Chinesen reist, und so werde ich das nächste Angebot sofort wieder dankend annehmen.


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