Wie im letzten Artikel bereits angekündigt, war ich dieses Wochenende zusammen mit 9 anderen Praktikanten in den gelben Bergen, einem Gebirge, welches in die UNESCO Weltkulturerbe-Liste aufgenommen wurde. Um dies gleich vorweg zu nehmen, die Berge sind keineswegs gelb. Der Name rührt von dem chinesischen Kaiser Huang Di her, dessen Name übersetzt “der gelbe Kaiser” bedeutet.
Los ging es am Freitag abend in einem kleinen Reisebus, den wir von einem Reisebüro gemietet hatten. Mit ein wenig Bier war die 5-stündige Fahrt ganz gut zu ertragen und das Hotel in Huang Shan, der Stadt am Fuße des Berges, konnte gegen Mitternacht bezogen werden.
Nach einem chinesischen Frühstück mit Reissuppe und weiteren “schmackhaften” Spezialitäten ging es mit einem Bus zum Eingang des Nationalparks und mit dem nächsten Bus zur Gondelstation, um dann anschließend nach circa 45 min. Wartezeit und gut 300 RMB ärmer auf den Berg zu gelangen.

Oben angekommen war die Aussicht leider nicht so berauschend, da wir uns direkt in den Wolken befanden. Doch machten dies die Berge, die vom Alter her zwischen Schwarzwald und den Alpen liegen, allein durch ihre Formen wieder wett. Anders als man dies vielleicht von Wanderungen in Europa gewohnt ist, sind alle Wege auf den Bergen befestigt und jede Höhenänderung wird mittels Treppenstufen bewältigt. Ich weiß nicht wie viele Treppen ich an diesem Wochenende hoch und runter gelaufen bin, doch meine Waden sagen mir, es waren einige.
Wir drängten uns den restlichen Tag mit vielen Chinesen auf den Wegen entlang und betrachteten Felsen, deren Form an Tiere, Menschen oder Finger erinnern sollen sowie bis zu 1200 Jahre alte Bäume. Besonders bei den etwas größeren Plattformen, von denen man die berühmtesten Felsen oder Bäume sehen konnte, war oft kaum mehr ein Durchkommen möglich.

An den Ketten, die die Plattform begrenzen, sind tausende Schlösser befestigt. Uns wurde erklärt, dass sich Pärchen diese Schlösser kaufen, sie zusammen an die Kette schließen und den Schlüssel in die Schlucht werfen. Ein Schloss habe ich aber gefunden, an dem der Schlüssel mit angeschlossen war. Was das wohl bedeuten mag?

Nachdem das Gepäck in dem Hotel auf dem Berg verstaut war, ging es dann noch in das große Tal. Der Weg dorthin besteht erst seit ein paar Jahren und ist teilweise nur durch einige Betonpfosten in der senkrechten Wand verankert. Unter dem Weg geht es zwei bis dreihundert Meter tief hinab und die Aussicht in das Tal ist grandios.


Nach der Rückkehr ins Hotel über wieder einige hundert Treppenstufen gab es noch ein chinesisches Abendessen, das allerdings nicht so besonders schmackhaft war. Da wir alle ganz schön kaputt waren, ging es auch relativ früh ins Bett, um am nächsten Morgen um 4:15 Uhr aufzustehen und den Sonnenaufgang zu bewundern. Das hat sich allerdings nicht wirklich gelohnt. Einen freien Platz mit etwas Aussicht zwischen den vielen Leuten zu finden stellte sich als nicht so leicht heraus und die Sonne tauchte auch nur zwei Mal sehr kurz zwischen den Wolken auf, so dass mein einzig gelungenes Bild erst lang nach Sonnenaufgang entstanden ist.

Nach dem nächsten chinesischen Frühstück, welches auf dem Berg noch eine Stufe schlimmer als im Hotel am Vortag war, machten wir uns auch schon wieder an den Abstieg, diesmal nicht per Seilbahn sondern zu Fuß. Dabei begegneten uns immer wieder Arbeiter, die schätzungsweise 50 kg und mehr an Essen, Getränke, Baumaterial oder auch Gasflaschen an einer Bambusstange auf der Schultern die Berge hinauf trugen. Unser Tourguide erklärte uns, dass sie für jedes Kilogramm 1 RMB bekommen; doch da der Weg direkt unter der Seilbahn entlang läuft, kann ich diese Quälerei einfach nicht gutheißen.

Unten angekommen gab es ein chinesisches Mittagessen und wir machten uns auf, die alte Straße in Huang Shan zu besichtigen. Leider fing es aber zu regnen an und die Straße bot keine wirklich besonderen Sehenswürdigkeiten, so dass wir uns schon bald auf den Heimweg machten. An einer Raststätte gab es dann FastFood von KFC, was nach dem ganzen chinesischen Essen durchaus verzeihlich ist, wie ich meine.
Heute ist Halbzeit
Dies ist mir vorher aufgefallen! Die Hälfte aller Tage meines Praktikumaufenthalts in China ist nun vorbei und ich muss sagen, dass die Zeit unglaublich schnell vergangen ist. Manchmal denke ich, dass es noch viel zu sehen gäbe, aber andererseits freue ich mich schon wieder sehr auf Deutschland, Brezeln, Mineralwasser und natürlich auf meine Freundin! Bleibt zu hoffen, dass die zweite Hälfte genauso ereignisreich wird wie die Erste, wovon ich aber überzeugt bin. Dann kann ich schon jetzt sagen, dass mein Praktikum in China eine tolle Erfahrung war und ist.