Es ist Montag abend und ich bin ziemlich müde denn ich bin erst heute morgen um 6:15 Uhr in Suzhou angekommen und war den ganzen Tag arbeiten. Doch von vorne:
Letzten Donnerstag bin ich mit vier weiteren Praktikanten zu einem Wochenend-Trip nach Beijing, also circa 1030 km nach Norden aufgebrochen. Da die Flüge relativ teuer sind und man bei dem Nachtzug mehr Zeit spart, entschieden wir uns für diese Alternative. Der Nachtzug Z86 fährt um 19:55 in Suzhou ab und kommt am nächsten Morgen um 6:48 in Beijing an. Ein Softsleeper, also ein relativ bequemes Bett mit 4 Betten pro Abteil kostet 452 RMB, also circa 45 Euro. Für 90 Euro nach Beijing und zurück kann man eigentlich nicht meckern. Schlafen konnte ich allerdings auf der Hinfahrt trotz ein paar Absacker-Bierchen kaum, auf der Rückfahrt gelang mir das seltsamerweise besser.
In Beijing angekommen führte unser erster Weg in die Jugendherberge am Qian Men, die ziemlich zentral gelegen ist. Nach einem guten Frühstück ging es los, den Tian’anmen, den Platz des himmlischen Friedens und die verbotene Stadt zu besichtigen. Dieser geschichtsträchtige Platz (die deutschen wikipedia-Seiten sind übrigens problemlos lesbar aus China) ist der größte Platz der Welt und auf ihm befindet sich das Mao Mausoleum. Davor war dann auch die wohl längste Warteschlange der Welt, sie ging mindestens einmal rund um das nicht ganz kleine Gebäude.
Bevor wir die verbotene Stadt betreten konnten überraschte uns ein Platzregen, der den Vorplatz kurzerhand in einen See und meine Schuhe in vollgelaufene Boote verwandelte. Zum Glück blieben die Temperaturen einigermaßen warm, so dass alles auch schnell wieder trocken wurde. Einen Vorteil hatte der Regen wahrscheinlich: die verbotene Stadt war nicht so voll, wie zu erwarten gewesen wäre. Insgesamt ist der Kaiserpalast ein ziemlich beeindruckender Komplex, auch wenn sich die einzelnen Gebäude sehr gleichen.
Nachdem wir eine echte Peking Ente gegessen hatten, ging es mit der U-Bahn Richtung Olympiastadion. Die gesamte Anlange ist architektonisch interessant, doch die Sicht reichte trotz vorherigem Regen kaum 3 Blocks weiter; hier Sport zu treiben stelle ich mir ziemlich anstrengend vor.
Am nächsten Tag hieß es schon sehr früh aufstehen, da wir eine Reise der Jugendherberge zur Chinesischen Mauer gebucht hatten. Die Mauer kann man an 3 verschiedenen Stellen besichtigen. Badaling ist die, die am nächsten an Beijing liegt aber wohl auch unglaublich überlaufen ist. Etwas weniger los ist in Mutianyu doch wir besuchten Simatai und Jinshanling. Das Schöne hier ist, dass wirklich kaum jemand dort unterwegs ist, abgesehen von den vielen fliegenden Händlern. Außerdem kann man in Simatai starten und dann circa 10 km, für die man allerdings auch ungefähr 4 Stunden braucht, nach Jinshanling laufen.
Die 5000 km lange Mauer ist wohl das beeindruckenste, was ich in China bislang gesehen habe. Sie wurde in nur 10 Jahren von 800.000 Arbeitern als Wall aus Lehm, Geröll und Steinen aufgebaut und erst später mit Steinplatten ummantelt. Wenn man auf ihr läuft, bzw. die unzähligen hohen und schmalen Treppenstufen auf und nieder steigt, bekommt man ein Gefühl wie viel Arbeit wohl für den Bau nötig war.
Bevor wir uns dann mittags im Restaurant stärken konnten, überquerten wir auf einer Hängebrücke einen Stausee. Gleich daneben kann man für 30 RMB mit einer Tarzan-Bahn, also einem Stahlkabel an das man mit einem Klettergurt gekettet wird, quer über den Stausee zum Restaurant gelangen. Eine Chance, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen wollte und für die ich letztlich auch noch einen tapferen Mitstreiter fand. Spaßig war es auf jeden Fall, auch wenn man nicht zu viel über chinesische Ingenieurskünste nachdenken darf. Am Abend habe ich dann bemerkt, dass auch in China Sommer ist und man von zu viel Sonne Sonnenbrand bekommt, was in den Städten dank Smog kein Problem ist.
Abends haben wir dann noch den Night Market besucht, gleich neben der großen Einkaufsstraße kann man hier allerlei Fleisch, Früchte und anderes Getier am Spieß gebraten essen. Neben Schlage, Schlangenhaut, Seidenraupen, Seepferdchen und Aalen gab es auch Skorpione. Einen solchen Spieß konnte ich mir nicht entgehen lassen und ganz ehrlich, in Öl gebraten und mit Salz überstreut schmecken Skorpione wirklich lecker. Leben tue ich auch noch, hatte also Glück und habe keinen giftigen erwischt.
Am Abend haben wir ein deutsches Restaurant namens “Schindlers Tankstelle” besucht, in dem ich seit langem mal wieder einen ganz passablen Rostbraten mit Spätzle gegessen und ein Weißbier getrunken habe. Die deutsche Küche hat ganz klar ihre Vorzüge! Anschließend ging es weiter in das beijinger Nachtleben. Gleich beim worker’s stadium befinden sich die beiden Discos VICS und MIX und wir entschieden uns spontan, die zweite zu besuchen. Vielleicht lag es auch am Namen…
Am nächsten Tag besuchten wir noch den Sommerpalast. Dieser befindet sich ein wenig außerhalb und direkt an einem See. Auch dort wurde wir wieder von einem starken Regen überrascht, doch diesmal blieben wir ganz gemütlich unter einem Dach stehen. Anschließend ging es zum Gepäck holen in die Jugendherberge und um 19:35 mit dem Nachtzug Z85 wieder zurück nach Suzhou. Alles in allem ein anstrengendes, aber auch sehr schönes Wochenende.